Jonathan Scheiner Texte & Musik

6Apr/18Off

Scheiner-Bock, natürlich gealtert

Alter Bock: Schon die Ahnen waren stolz auf ihre natürliche Reifung

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2Feb/18Off

#HeToo – Sicherheit oder Sexismus?

Abgehängt: "Hylas und die Nymphen" aus der Manchester Art Gallery

Nicht nur die Manchester Art Gallery platzt vor sexistischen Kunstwerken wie jenes mit dem Titel „Hylas und die Nymphen“, das kürzlich wegen moralisch-sittlicher Bedenken abgehängt wurde. Der arme Hylas, Unschuldsknabe aus dem fernen Lesbos, er kann am wenigsten dafür! Kein Platz im Wasser, um sich nach dem „Ringkampf“ mit seinem Herakles wieder ein wenig frisch zu machen: Alles voller glitschiger Seeosen und zudringlicher Nixen. Wer denkt da nicht gleich an #HeToo? Eine Initiative, die auf Betreiben der DLRG ins Leben gerufen wurde, weil kaum mehr Platz im Wasser war für Lebensrettungsmaßnahmen, seit scharenweise Hungerharken von Germany's Next Topmodel (GNTM) für's Baywatch-Shooting trainierten. Dabei gilt doch über wie unter Wasser: Sicherheit geht vor Sexismus!

Nixen oder LebensretterInnen: Der Streit zwischen der DLRG und GNTM geht in die nächste Runde

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18Sep/17Off

Attacke der Alpensegler

Gut, dass die Alpensegler, die allabendlich zu Hunderten in Korfu-Stadt einsegeln, ihren Ballast schon über dem Festland abgeladen haben....ein grandioses Spektakel bei Sonnenuntergang, am Meer, in der Taverne. Trotz Hitze – so läßt sich`s ganz gut aushalten!

Frappé? No, it's Iced Cappuccino....Costa fast garnix!

 

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22Jul/17Off

Ost-Juden in Wild West – Lucky Luke trifft Indianer mit Kippa

 

Raten Sie mal, an welchem Gesichtsorgan man Jidden erkennt? Richtig geraten. An der Nase! Jidden haben ein enormes Gerät, geradezu unanständig in Größe und Form, jedenfalls im 95. Band von Lucky Luke mit dem Titel „Das Gelobte Land“. Die Frage ist natürlich eine Fangfrage und zielt auf antisemitische Stereotypen: Juden haben lange Rübennasen, tragen püschelige Bärte und sie werden sentimental, wenn man ihnen Lieder wie die „Jiddische Mame“ vorspielt. Von diesen Stereotypen ist der neue Lucky Luke-Band gespickt voll. Und das ist gut so, denn der Band ist zum Totlachen.
Hier geht es gar nicht um Verunglimpfung. Die Personen, in Szene gesetzt vom belgischen Zeichner Achdé, bedienen zwar Klischees, aber sind am Ende doch nur charmante Comic-Figuren: Lucky Luke zieht schneller als sein Schatten, der Bankräuber trägt den Namen Madoff und der Familienvater heißt Moishe Stern, seines Zeichens „schnellster Schnejder estlich der Wejchsel“. Das ist zum Piepen, erst recht der kleine Jankel, ein Naseweis, der sich statt um die anstehende Bar Mizwa lieber um seine Zwille (Steinschleuder) kümmert. Mit ihr schießt er die Schurken kurzerhand aus ihren Boots.
Die Geschichte nimmt ihren Anfang mit dem Cowboy Jack Loser, der eigentlich Jakob Stern heißt. Seine jiddische Familie rückt an und will nach Montana ins Städtchen Chelm City. Lucky Luke soll sie dorthin bringen, inklusive einer höchst wertvollen Tora, die unversehrt bleiben muss. Das Problem: Nichts, was am Wegesrand kreucht und fleucht oder als Proviant dienen könnte, ist koscher. Und dann muss auch noch unbedingt der Schabbat gehalten werden, selbst wenn dem Treck blutrünstige Rothäute dicht auf den Fersen sind. Aber siehe da: Bei den Indianern handelt es sich um einen der verlorenen Stämme Israels.
„Das Gelobte Land“ läßt kein Klischee aus und ist doch ganz großartig gemacht, weil er den jüdischen Beitrag bei der Eroberung des Wilden Westens in den Focus rückt. Klar gibt es dort Fettnäpfchen, in die Achdé und sein Texter Jul treten, wie etwa der Sheriff, der einen „Stern“ trägt. Aber er trägt ihn, weil es tatsächlich jüdische Sheriffs gab, wie den, der zum Abschluss des Bandes abgebildet ist. Es handelt sich um Charles Moses Strauss, der als erster Jude zum Bürgermeister von Tuscon/Arizona ernannt wurde. Das war im Jahr 1883.
Sein Namensvetter hat die berühmten Jeans erfunden, jene damals noch robusten Hosen für Cowboys, gefertigt aus blauem Leinen aus dem französischen Nimes. Auch Lucky Luke soll so eine Hose als Abschiedsgeschenk bekommen, aber am Ende des Trecks passt er nicht mehr rein: Zu viel Gefilte Fisch!!

Lucky Luke Nr. 95: Das gelobte Land. Egmont Ehapa Media GmbH 2017, 48 S., 12.- €.

Mann in zu engen Schlag-Hosen: Lucky Luke als Herzensbrecher

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5Jun/17Off

Joints und Jogging – der Trompter Avishai Cohen im Silent Green

Der Trompeter Avishai Cohen, jüngst von Tel Aviv nach Goa umgezogen, und der Schlagzeuger Nasheet Waits in Joggingklamotte, weil das Gepäck auf dem Flughafen blieb, vor dem Konzert im Silent Green am 14.5.2017.

In der Musik von Avishai Cohen spiegelt sich die Vielfalt des Jazz aus New York wider – und nicht so sehr die Melodien seines Geburtslandes Israel. Deshalb wäre es auch verkehrt, den 1978 geborenen Trompeter als typischen Vertreter jener Goldenen Generation junger Israelis zu beschreiben, die derzeit für viel Furore in der internationalen Jazzszene sorgen.

Avishai Cohen hat am Berklee College of Music in Boston studiert und ist dann seinen beiden älteren Geschwistern Yuval und Anat Cohen nach New York hinterhergezogen. In der Folge hat der Trompeter nicht nur ein Dutzend Alben unter eigenem Namen veröffentlicht, sondern ist auch mit einer Vielzahl von Musikern aufgetreten. Darunter nicht nur israelische Popstars wie Shalom Hanoch oder Keren Ann, sondern auch Jazzmusiker wie Omer Avital, Jason Lindner oder Eli Degibri.

"Manche Leute fragen mich - ohne genau hinzuhören - nach den Einflüssen israelischer Musik auf meine Songs. Ich sage dann immer: Du musst schon genauer aufpassen! Dann wirst du merken, dass sie durchaus da sind, weil ich ja schließlich aus Israel komme, aber das ist nicht wichtiger als alles andere. Israelische Musik steht nicht mehr im Vordergrund als Led Zepplin, Frank Zappa oder die Beatles. Für mich bestand noch nie die Notwendigkeit zu sagen: Ich bin aus Israel! Ich verheimliche das zwar nicht, aber trotzdem kann ich meine Musik nicht als israelische Musik verkaufen".

Durch eine Studio-Aufnahme mit dem Saxophonisten Mark Turner ist Avishai Cohen in den Focus des Labels ECM Records und des Produzenten Manfred Eicher geraten, der Cohen zu den wichtigsten Vertretern unter den zeitgenössischen Jazztrompetern zählt. Letztes Jahr ist dann das Album „Into the Silence“ erscheinen, das Avishai Cohens Auseinandersetzung mit dem Tod seines Vaters spiegelt.

"Das Album entstand in einer bestimmten Periode meines Lebens, als ich gerade meinen Vater verloren hatte. Jedesmal, wenn ich damals am Klavier saß, entstand ein sehr spezielle Stimmung, ein sehr spezieller Sound. Und obwohl ich eine Menge an Kompostionen hatte, die nie von meinem Trio gespielt worden waren, habe ich beschlossen, mich auf die aktuellen Stücke zu fokussieren. Ich wollte, dass sich das Album gänzlich auf diese Zeit der Trauer konzentriert. Also habe ich mich für Kompositionen entschieden, die zwischen Dezember 2014 und Juni 2015 entstanden waren, teilweise noch eine halbe Stunde, bevor wir ins Studio gegangen sind".

"Alles war neu, als ich mit dem Album „Into the Silence“ anfing. Ich hatte keine Band und hatte noch keinen Sound gefunden. Ich hatte gerade erst mit meinem Triveni-Trio aufgehört zu spielen und wusste nur, dass ich etwas anderes machen will. Dazu kam, dass ich das erste Mal mit Manfred Eicher und ECM Records zusammenarbeitete. Also alles, auch der Kompositionsstil, war neu. Wir kamen ins Studio und keiner von uns hatte die Musik bislang gehört, es war der absolut erste Eindruck von dieser Musik".

Auch auf seinem neuen Album „Cross My Palm With Silver“ hat Avishai Cohen wieder zu einem unverwechselbaren Ton gefunden. Eine nicht ganz unbedeutende Rolle für den Sound des Albums spielen Cohens Mitstreiter. Mit dem Bassisten Barak Mori, dem Schlagzeuger Nasheet Waits und vor allem mit dem Pianisten Yonatan Avishai arbeitet Cohen bereits seit mehr als einem Jahrzehnt zusammen, zuletzt beim Triveni-Trio.

"Beim aktuellen Album „Cross My Palm With Silver“ war das ganz anders, weil die Band bereits miteinander aufgetreten war. Wir wussten, wie die Band agiert, auch wenn die Musik noch relativ neu war. Lediglich der Prozess des Komponierens war bei beiden Alben vergleichbar: Ich hatte zunächst nichts außer einem Studiotermin. Es war tatsächlich dieser Entstehungsprozess, etwas aus der absoluten Leere heraus zu erschaffen".

Cohens unverwechselbarer Ton spiegelt sich nicht zuletzt in den Songtiteln, die bei genauerem Hinsehen politisch gemeint sind. „Theme for Jimmy Green“ ist eine Referenz an den Saxophonisten Jimmy Green, der seine Tochter bei einem Amoklauf an einer amerikanischen Schule verlor. „340 Down“ bezieht sich auf die Menge an Flüchtlingen, die in nur einer einzigen Juni-Woche im Mittelmeer ertrunken sind. Und „Will I Die, Miss, Will I Die?“ reflektiert die verzweifelte Frage eines syrischen Mädchens nach einem Giftgasangriff.

"Da wir Musik ohne Worte spielen, ist es schwer zu sagen, worum es sich dabei dreht. Insofern helfen die Song-Titel ein wenig. Wobei alleine die Titelgebung keines der Probleme löst. Mit Titeln erzielt man doch höchstens ein wenig Aufmerksamkeit, wenn man etwa bei einem Interview darüber spricht. Ich bin davon überzeugt: Das ist nicht genug".

Klare Kante zeigt Avishai Cohen auch im Bezug auf die Politik seines Heimatlandes. „50 Years And Counting“ und „Shoot Me in the Leg“ sind zwar nur Song-Titel, in denen es um „Israels Besatzungspolitik“ oder um palästinensische „Selbstmordattentäter“ geht. Aber in Kombination mit derart schöner Musik verfehlen Avishai Cohens Song-Titel keinesfalls ihre Wirkung!

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4Mai/17Off

Bim Bom – Jaques Morelenbaums “Cello Samba Trio“

Präzise schnurrt das Samba-Mobil: Der Cellist Jaques Morelenbaum

Jaques Morelenbaum hat als musikalischer Begleiter des Gitarristen Egberto Gismonti und des brasilianischen Sängers Caetano Veloso Musikgeschichte geschrieben. Auch als Produzent und Arrangeur von Superstars wie Gal Costa, Daniela Mercury oder Marisa Monte ist er aus der brasilianischen Musik nicht wegzudenken. Und nebenher spielt er hinreißende Alben ein – wie mit Myriam Alter – oder kommt mal eben auf ein Konzert in Europa vorbei, zum Beispiel am 3. Mai ins A-Trane in Berlin. Dort spielte er mit seinem "Cello Samba Trio" um Lula Galvao (Gitarre) und Rafael Barata (Schlagzeug). Drei gut gelaunte Männer bei der Arbeit: herzerwärmend, brillant, unfassbar virtuos und geschmeidig schwingend in Fingern und Hüfte.... Bim Bom!

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5Apr/17Off

Jerusalem in den höchsten Tönen

Himmlisches Jerusalem

 

Jerusalem, Al Quds, Yerushalayim – die Goldene Stadt hat viele Namen. Nicht nur mit Worten wird heftig um sie gestritten. Sie wird auch auf vielfältigste Weise besungen, und zwar in den höchsten Tönen: in Psalmen und Gedichten, in Rocksongs oder klassischen Liedern.

Shuly Nathans herzergreifendes “Yerushalayim shel zahav”, auf Deutsch „Jerusalem aus Gold“, ist zum Klassiker geworden, den in Israel jedes Kind kennt. Das Lied ist zu einer Art inoffiziellen Hymne von Jerusalem geworden – allerdings nur unter Juden.

Der Song ist kurz vor dem Sechtagekrieg entstanden. Die Soldaten intonierten ihn, als sie ihr höchstes Heiligtum, die Klagemauer, aus jordanischer Hand zurückeroberten. Und so spiegelt sich in diesem scheinbar so hübschen Song das ganze Drama, das sich alltäglich um die “Goldene Stadt” abspielt: Ursprünglich erdacht, um die jüdische Hoffnung auf Rückkehr nach 2000-jährigem Exil in Töne zu setzen, formuliert die dritte, nachträglich hinzugefügte Strophe einen unmissverständlichen Besitzanspruch: Jerusalem – das sei die Hauptstadt des jüdischen Volkes. Dieser musikalische Zionismus blieb auch in der Musikwelt nicht ohne Widerspruch, selbst in den eigenen Reihen.

Gilad Atzmon, von dem der Song “Al Quds” stammt, ist einer der wenigen Israelis weltweit, der in seiner Heimat Israel Einreiseverbot hat, weil er Anführer der Hamas - wie er selbst sagt - zum “informellen Pausentee” getroffen hat. Das ist nicht verwunderlich: Atzmon ist bekennender Antizionist. Wie die Hamas attackiert er die Politik Israels und lebt lieber – wie er sagt – im Exil in London. Seine Musik ist eine grandiose, wenngleich streitbare Mischung aus Jazz und politischem Statement. Statt Jerusalem verwendet er den arabischen Begriff Al Quds und seine Band heißt Orient House Ensemble – benannt nach dem Hauptquartier der PLO.

Leisere Töne schlägt Else Lasker-Schüler 1943 in ihrem Gedicht Jerusalem an – ein Text ohne politische Forderung, sondern vielmehr eine Liebeserklärung an die Stadt ihrer Träume:

 

Gott baute aus Seinem Rückgrat: Palästina

aus einem einzigen Knochen: Jerusalem.

Ich wandele wie durch Mausoleen –

Versteint ist unsere Heilige Stadt.

Es ruhen Steine in den Betten ihrer toten Seen

Statt Wasserseiden, die da spielten: kommen und vergehen.

Es starren Gründe hart den Wanderer an –

Und er versinkt in ihre starren Nächte.

Ich habe Angst, die ich nicht überwältigen kann.

Wenn du doch kämest .....

 

Die Stadt “Jerusalem”, die Else Lasker-Schüler schon in ihren frühesten Gedichten in den höchsten Tönen besungen hat, hat der wohl bedeutendsten deutschen Lyrikerin am Ende ihres Lebens kein Glück gebracht. Aus Deutschland zunächst in die Schweiz und schließlich nach Jerusalem geflohen, ist die Dichterin in der Stadt ihrer Sehnsucht gestorben – im Januar 1945, verarmt und ohne Hoffnung auf Rückkehr in ihre irdisch-reale Heimat Deutschland.

Nicht nur in der Lyrik, sondern auch in der klassischen Musik spielt das irdische und das himmlische Jerusalem ein bedeutende Rolle – angefangen von Heinrich Schütz um 1600 bis hin zu Arvo Pärt am Ende des 20. Jahrhunderts. Beide Komponisten haben Psalm 137 vertont, in dem die Hoffung der Juden auf Rückkehr aus dem Exil nach Jerusalem formuliert ist. Arvo Pärts Stück heißt “An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten”, gesungen vom Hilliard Ensemble:

Dass auch der quasi zeitgleich entstandene Welthit “Rivers of Baylon” von Boney M auf Psalm 137 zurückgeht, dass dürfte wohl die wenigsten Disco-Besucher im Jahr 1978 interessiert haben. Von einem solchen Erfolg kann der Rapper Matisyahu nur träumen, auch wenn sein “Jerusalem” ebenfalls ein Ohrwurm geworden ist. Matisyahu ist ein „Chassid“, was so viel bedeutet wie ein „Frommer“. Seine Frömmigkeit trägt Matisyahu mittels Musik in die Welt. Der Sänger aus New York ist der lebende Beweis, dass sich die Sehnsucht nach Jerusalem bestens mit eingängigen Sounds verbinden läßt. Jerusalem, dazu gibt es mindestens so viele Hohelieder wie Klagelieder! Und das ist doch mal eine gute Nachricht über Jerusalem.

Irdisches Jerusalem: Else Lasker-Schüler im Exil

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27Feb/17Off

Freulein mit Goldhelm

 

Keep On Smiling: Die AktivistInnen von Frieden-Au e. V.                                       ©AC/DC

Die anitimperialistisch-antisexistische LehrerInnen-Initiative „Frieden-AU e.V.“ hat auf der diesjährigen Jahrestagung beschlossen, sich gegen die ausufernde Gewalt von SchülerInnen und Schülern zur Wehr zu setzen. Als Vorbild für die neue Ausstaffierung diente nicht etwa der Catsuit von Super-Woman, sondern ausgerechnet Rembrandts berühmtes Gemälde „Männlein mit Goldhelm“. Dessen Konterfei wurde auf Vorschlag von Schatzmeisterin Abigail (1. Reihe, unten rechts, noch mit altem Hammer- und Sichel-Emblem auf dem Helm) zum neuen Logo der Initiative auserkoren.

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25Jan/17Off

Die Kunst der Reduktion – der Pianist Yonathan Avishai

"Parade" heißt das großartige zweite Album der Band Modern Times um den Pianisten Yonathan Avishai

„I always felt comfortable playing less. In the beginning it wasn’t even a choice. It even came from my technical limits. I am not a very virtousic pianist. It’s hard for me playing fast“.

"Through the years and through the Modern Times-project I was using those limits as a tool and a quality. It’s a cliché, but when you have less elements than every element has more importance". 

"I didn’t study a lot, to be honest. But Arnie Lawrence was an important figure. He brought a lot of that authentic feel and tradition from New York to Israel. He was focussing on the spirit of the music and not so much the technics and on theory".

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23Jan/17Off

Von Eseln und Affenfischen – die Sängerin Tehila Nini Goldstein

Wie viele andere israelische Musiker ist die Sängerin Tehila Nini Goldstein vor ein paar Jahren nach Berlin gezogen. Nach Stationen in Tel Aviv und New York hat sie dort eine Familie gegründet und ihre Karriere in Schwung gebracht. Doch musikalisch ist die Sängerin an vielen Orten dieser Welt zuhause: Sie singt nicht nur jemenitische Lieder, sondern bewegt sich auch mühelos zwischen Barock-Oper und hebräischer Musik hin und her. 

Für ihr Leben gern singt die Sopranistin Tehila Nini Goldstein Barockkomponisten wie Benedetto Ferrari oder Johann Hieronymus Kapsperger. Diese Leidenschaft ist auf ihrem neuen Album mit dem Titel „Monkeyfish“ unüberhörbar. Darauf finden sich nicht nur Barock-Komponisten, sondern auch Lyrik vom jemenitischen Rabbiner Schalom Schabazi aus dem 17. Jahrhundert. Eine erstaunliche Mischung, die für die israelische Sängerin mehr als typisch ist.
Tehila Nini Goldstein läßt sich in keine musikalische Schublade stecken. Zwar hat sie eine grundsolide klassische Gesangsausbildung in ihrer Heimatstadt Tel Aviv und in ihrer Geburtsstadt New York erhalten. Doch alleine damit kann man ein solch weitgefächertes musikalisches Interesse nicht erklären. Viel von dem, was heute in ihrem Gesang durchscheint, wurde Tehila Nini Goldstein sozusagen in die Wiege gelegt: 
"Meine Familie ist eine jüdische Familie. Auf der Seite meines Vaters ein Mix aus Litauen und Russland. Und die Familie meiner Mutter kommt aus dem Jemen. Während meine jemenitische Großmutter schon in Israel geboren wurde, zog mein Vater mit zweieinhalb Jahren dorthin. Und zwar mit seinem Vater, der 15 Waisenkinder aus dem Jemen mit ins Heilige Land brachte. Im Jahr 1927 war das. Mein Großvater hat die ganze Reise auf dem Rücken eines Esels gemacht. Übrigens besaß auch der Cousin meiner Mutter später eine Eselfarm". 
Kein Wunder also, dass nicht nur Esel, sondern auch verschiedenartige Musik im Elternhaus von Tehila Nini Goldstein eine große Rolle gespielt haben. Natürlich jemenitische Lieder, aber auch aschkenasische Musik. Diese Musik hat die Sängerin erst später für sich entdeckt. Und zwar in Form von Jakob Schönberg. Gemeinsam mit dem Pianisten Jascha Nemtsov hat die Sängerin das wegweisende Album „Another Schoenberg“ eingespielt. Von diesem im Jahr 1900 in Fürth geborenen, klassischen Komponisten gibt es ein paar wunderbare „hebräische Lieder“ – so auch das Chaluzlied „Gam hayom“. 
Der europäische Teil ihrer Familie, der in New York lebte, sei immer etwas weiter von ihr entfernt gewesen, sagt Tehila Nini Goldstein. Diese Distanziertheit erstreckte sich auch auf den Gottesdienst, den sie mal durch ihren anderen Großvater, ebenfalls ein Rabbiner, kennengelernt hatte. Ihr religiöses Herz, wenn man so will, schlägt eben jemenitisch. Und das gilt auch für die Musik. 
"So wuchs ich mit jemenitischer Musik auf. Ich rannte durch die Synagoge mit all den anderen jemenitischen Juden und hörte diese exotische Art zu singen. Das ist ein ganz andere Art, die Stimme zu einzusetzen. Mein jemenitischer Großvater war derjenige, der jeden Freitagabend gesungen hat. Meine Familie ist bis heute nicht religiös, aber es gab jede Menge Traditionen und ich kenne all die Segenssprüche auswendig, kenne all die Feiertagslieder. Ich würde sagen, dass ich zwar sehr traditionell bin – aber überhaupt nicht religiös. Ich bin eine schreckliche Jüdin, aber immerhin weiß ich, worauf es dabei ankommt". 
Die jemenitischen Lieder, die Tehila Nini-Goldstein heutzutage singt, die kennt sie schon seit ihrer Kindheit. Ihre Großmutter hat sie einst gesungen. Zum Beispiel „Yuma weh abba“, das auch auf dem aktuellen Album „Monkeyfish“ vertreten ist. Berühmt geworden ist das Lied durch die Sängerin Archinoam Nini, besser bekannt hierzulande als Noa – eine Cousine übrigens von Tehila Nini Goldstein. Doch während Noa seinerzeit das ganze Israel Philharmonic Orchestra an ihrer Seite hatte, singt Tehila mit nur zwei Begleitern an Trommel und Chitarrone. Aber für eine derart vielschichtige Sängerin ist das völlig ausreichend. 
Sferraina: Monkeyfish. Col Legno Music 2016/ helikon harmonia mundi. LC 07989.
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2Jan/17Off

Wie klingt eigentlich Nächstenliebe? Paul Brody’s Ausstellung “Voices of Help“

Paul Brody, Trompeter. Paul Brody, Helfer. © Dirk Hasskarl - http://www.hasskarl.de

Paul Brody, Trompeter. Paul Brody, Helfer.                 © Dirk Hasskarl  (www.hasskarl.de)

Warum helfen Menschen einander – welche Motive stecken dahinter? Diesen Fragen ist der Musiker Paul Brody nachgegangen. Der Amerikaner hat Menschen an seinem Wohnort Berlin-Schöneberg befragt, wie sie zu Helfern wurden. Aus den Interviews sind nicht etwa, wie sonst beim amerikanischen Trompeter, Vertonungen für eine neue CD entstanden. Vielmehr hat Paul Brody eine Ausstellung konzipiert, bei der die unterschiedlichen Helfer zu Wort kommen. Zu sehen ist die kleine, aber feine Schau im Jugendmuseum in Berlin.   

Und das klingt so:
"Mein Name ist Anne Seebach. Und mit meiner Projektpartnerin Annette Krüger bringen wir unter dem Namen „Bikeygees“ seit einem Jahr geflüchteten Frauen das Fahrradfahren bei. Bis jetzt haben über 200 Frauen ..."
Die Frau, die hier aus ihrem Berufsalltag erzählt, ist Teil der Ausstellung „Voices of Help“ im Jugendmuseum Berlin-Schöneberg. In diesem Stadtteil im Zentrum Berlins lebt und arbeitet auch der Musiker Paul Brody, geboren 1961 in San Francisco. Irgendwann hat sich der amerikanische Trompeter über die vielen nicht-staatlichen Hilfsinitiativen in seinem Kiez gewundert und sich gefragt, warum ausgerechnet dort so viele Menschen leben, die ihren Mitmenschen helfen? Was treibt sie an? Wie denken sie selbst über ihre Arbeit?
Gregor, ein Lehrer für DAZ: "Ich hab halt überlegt, was ich machen könnte, als Sprachwissenschaftler, als Autor und Übersetzer…und dann bin ich losgegangen zu der Flüchtlingsunterkunft und hab mich da ein bisschen informiert und angefangen zu unterrichten, so ganz informell….". 
Paul Brody hat viele Interviews geführt und er hat viele unterschiedliche Antworten erhalten. Von Initiativen, die Jugendozialarbeit anbieten wie “Gangway” oder “Escape”, die auf Drogenprobleme spezialisiert sind. Von der Nähwerkstatt “Joliba”, in der Geflüchtete umsonst Deutsch lernen können. Und der Initiative “Leben Lernen”, die Mädchen und junge Frauen in Krisensituationen unterstützt. Die Motive der Helfenden waren so unterschiedlich wie die Interviewpartner. Es gibt sogar Senioren, die anderen Senioren helfen, ihre Einsamkeit zu besiegen:
"Hilfe ist notwendig in jeder Gesellschaft, für die Mitmenschlichkeit. Das sagt es ja schon aus, das Wort “Mitmenschlichkeit”. Ich arbeite ja jetzt mit alten Menschen, ich bin selber alt. Es gibt viele alte Menschen, die alleine zuhause sitzen. Diese Einsamkeit der alten Menschen ist irgendwie aussichtslos…."
Doch so verschiedenartig all die Hilfsinitiativen in Paul Brodys Nachbarschaft auch sind: Sie besitzen eine Reihe von Gemeinsamkeiten. Wobei Nächstenliebe oder altruistische Motive nicht die einzigen Beweggründe sind, die Menschen zu Helfern machen. Das weiß auch Paul Brody:
"Each interview started with a warm up question. How did you start helping? Every time I went home to edit my interview this warm up question which I was not going to use became more and more fascinating from one interview to the next. I made a few discoveries: One is the tools that the social workers are using in their professional life often started developing not with their education but with their childhood. Their views of help often started with the forming of their own identity and their own family life".
Paul Brody wäre kein Vollblutmusiker, hätte er die Interviews nicht als Steilvorlage für Vertonungen verwendet. Jeder Stimme eines Helfenden hat er zunächst ein Instrument zugeordnet, um daraus eine Klangkollage zu komponieren.
"I have worked a lot with voice melody and for me the melody of the voice carries it’s own individual narrative (parallel to what is been said). And I wanted to bring that quality in the voices from my neighborhood. So each voice got an instrument that I thought would be a nice match and also in dialogue to that. That instrument does not just accompany that voice but emphasyses the voice melody and is in dialogue with the voice melody".
Brodys Verknüfungen von Stimme und Instrument besitzen nichts Zufälliges. Vielmehr versteckt sich hinter den Kollagen große Erfahrung in der Vertonung von Poesie. Paul Brody gilt zwar als einer der weltweit führenden Klezmer-Trompeter, doch regelmäßig verlässt er das enge Schtettl ostjüdischer Instrumentalmusik für spannende Ausflüge in Richtung Jazz und Dichtung. Neben der Band Sadawi, die er seit Jahren betreibt, komponiert Brody Theatermusik. Oder er vertont Gedichte wie die der Lyrikerin Rose Ausländer.
Gefühl für die Sprache besitzt Paul Brody – wie die meisten Jazztrompeter übrigens – schon von Berufs wegen. Doch die deutsche Sprache ist Brody gewissermaßen in die Wiege gelegt worden: Seine jüdische Mutter stammt ursprünglich aus Wien. Wie sie 1938 vor den Nazis fliehen konnte, erzählt Brody am besten selbst – in einer unnachahmlichen Kombination aus Musiker und Storyteller:
"My own personal story is at the end of the exibit. My daughter was home late one day...she said I was volunteering at a soup kitchen. And I thought: Wow, I should help, too. So I registered to help at the Wilmersdorfer Rathaus where over 1000 refugees were living. It struck me that some of the young teenagers I thought that my mother was 13 years old when she was a refugee who left Vienna on the Kindertransport and went to England. If it weren’t people like the Quakers who were adopting children and families into their homes in England during WW II my mother would probably not be alive. So we should not stop helping! Hahaha, Yah! 
Die Ausstellung „Voices of Help“ im Jugendmuseum Berlin-Schöneberg ist noch bis zum 5. März zusehen. Alle Infos sind im Internet unter www.jugendmuseum.de zu finden.
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30Nov/16Off

Unter Geiern – wie Schimon Peres seinen Namen fand

Mann mit Vogel: Shimon Peres im Hula-Tal, dem Überwinterungsplatz unserer Kraniche

Mann mit Vogel: Shimon Peres im Hula-Tal, dem Überwinterungsort "unserer" Kraniche

Zu seinem späteren Namen ist Schimon Peres eher durch Zufall gekommen. Geboren in Polen war sein Name ursprünglich Perski. So hieß übrigens auch seine Cousine. Sie sollte an der Seite von Humphrey Bogart Hollywood-Geschichte schreiben- als Lauren Bacall. Und aus Schimon Perski wurde später Schimon Peres, als Friedensnobel-Preisträger und Staatspräsident von Israel ebenfalls weltberühmt. Das kam so: Auf "Erkundungstour", getarnt als ornithologische Feldforschung in der Negev-Wüste im Britischen Protektoratsgebiet Palästina, zog plötzlich ein Lämmergeier knapp über den Köpfen des Erkundungstrupps. Einer schrie: "Peres, Peres", das hebräische Wort für Geier. Später dann – als die Geierpopulation noch nicht durch DDT und Blei vernichtet war, als die Engländer als Protektoratsmacht von Palästina vertrieben und der Staat Israel gegründet wurde – war klar, zu welchem hebräischen Namen der Hagana-Kämpfer Schimon Perski greifen würde....so jedenfalls berichtet es der wunderbare israelische Vogelkundler Yossi Leshem. Und der muss es ja wissen. Denn er hat schließlich nicht nur einen Vogel....

 

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7Nov/16Off

Opa-Jazz und die Musik von Frauen – Hinhören beim JazzFest Berlin

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Die Saxophonistin Mette Henriette

Während die einen noch immer über die Männerdominanz im Jazz schwadronieren, stehen Frauen längst auf der Bühne und spielen, was das Zeug hält. Dass den Zuhörern Augen und Ohren überlaufen. Beim diesjährigen JazzFest Berlin wurde das Glück der Gleichberechtigung der Geschlechter zumindest musikalisch eingelöst. Und noch viel mehr: Männlein wie Weiblein kamen aus dem Staunen nicht mehr raus, wie Mette Henriette die liegengelassenen Fäden ihrer skandinavischen Ahnen (Jan Garbarek, Terje Rypdal) wiederaufnahm und wundersam miteinander verknüpfte. Wie das verspielte Julia Hülsmann-Trio zwei Bläser integrierte, mühelos und wunderschön zugleich. Oder wie die beiden Deutschen Florian Weber und Angelika Niescier neben drei alten Haudegen aus New York bestachen. Wie beim Big Band-Konzert von Nik Bärtsch der grandiose Bassist Björn Meyer zum Dreh- und Angelpunkt wurde. Und wie weit angesichts von solcher Schönheit die Meinungen über die einzelnen Konzerte dann doch auseinandergingen. Viel Diskussionsstoff – wo immer man hinhörte. Auch beim Altmeister Jack DeJohnette, der sich mit Matt Garrison und Ravi Coltrane im 3. Jahrtausend duellierte. So jung und knackfrisch klingt: „Opa-Jazz“ von Frauen!

Die Pianistin Julia Hülsmann

Die Pianistin Julia Hülsmann

Beide Fotos: © Camille Blake

 

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22Okt/16Off

Die traurig-schönen Lieder des Wandering Jew – Das ID-Festival in Berlin beleuchtet das Thema Migration

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Tobias Steinberger (Perkussion), David Bergmüller (Laute) und Tehila Nini Goldstein (Gesang)

Einen Erfolg zu wiederholen, ist nicht einfach, außer man besitzt ein gut funktionierendes Konzept. Das gilt vor allem für das ID-Festival, das zum zweiten Mal im Berliner Radialsystem (21.10.-23.10.) stattfindet. Wie im letzten Jahr gehen die Programmmacher der Frage nach, inwiefern sich deutsch-jüdische Identität in der Kunst spiegelt. Eine gute Frage, die vor allem in Berlin auf den Nägeln brennt, da sich die deutsche Hauptstadt im letzten Jahrzehnt als Hotspot und Sehnsuchtsort für junge Israelis etabliert hat.

Statt schon bereits beantwortete Fragen zu wiederholen, haben die Veranstalter dieses Jahr einen neuen Akzent gesetzt: „Migration told through Israeli-German art“ (das Thema Migration in der israelisch-deutschen Kunst), wobei gleich sieben der 15 Programmpunkte Premieren sein werden. So wie die Ausstellung „Mother, I have reached the land of my dreams“ von Alona Harpaz und Sharon Horodi, die in Berlin zum ersten Mal gezeigt wird. Das Thema Flucht, Vertreibung und Migration spiegelt nicht nur auf einen zentralen Aspekt jüdischer Identität, sondern beleuchtet zugleich die aktuelle politische Situation in Deutschland als Zufluchtsort für eine Million Flüchtlinge, vor allem aus Syrien, einem Land, das offiziell noch immer im Krieg gegen Israel ist.

Durch das ID-Festival besteht, zumindest virtuell, die Möglichkeit, über die gemeinsame Erfahrung von Migration und Vertreibung nachzudenken. Eine Erfahrung, die Juden schon seit biblischen Zeiten kennen, wie Festivalleiter Ohad Ben-Ari betont, der sich selbst auch als „Wandering Jew“ beschreibt. Doch gleichzeitig wiegelt er ab: „Wir beschäftigen uns natürlich mit der politischen Dimension von Migration, etwa aus Syrien. Aber da wir ein Kunstfestival sind, beleuchten wir vor allem den Einfluss von Migration auf die verschiedenen Kunstformen“.

Das Thema wird nicht nur in Diskussionsforen erörtet, sondern auch anhand von Tanz, Performances und Filmen sichtbar gemacht. „No-MAD“ von Oren Lazovski, „Dancing to the End“ von Nir de Wolff oder „Makembo“ von Micki Weinberg werden begleitet von Gesprächen wie dem über Udi Alonis vieldiskutierten Film „Junction 48“ um junge israelisch-arabische Rapper, der bei der diesjährigen Berlinale preisgekrönt wurde. Dass es danach auch noch ein Konzert mit den Rappern und Schauspielern um Tamer Nafar und Maisa Daw geben wird, ist ein Glücksfall, der außerhalb Israels nur selten eintritt.

Doch auch die übrigen Programmpunkte deuten darauf hin, dass es im Kern des ID-Festivals nicht um Politik, sondern um Musik geht. Wie im letzten Jahr wird der Ausnahmegeiger Guy Braunstein auftreten. Seinem Quintett wird auch der Pianist Ohad Ben-Ari angehören. Zugleich wird der Festivalleiter auch mit seinem Mondrian-Trio spielen. Ben Ari wird allerdings nicht, wie angekündigt, ein neues Werk von Gilad Hochman zur Weltpremiere bringen, sondern ein in Deutschland ungespieltes Werk des armenisch-israelischen Komponisten Josef Bardanashvili. 

Nicht minder spektakulär ist der Auftritt des Omer Klein-Trios. Omer Klein gilt als einer der führenden Protagonisten der angesagten israelischen Jazzszene. Zugleich ist der Pianist ein Vorreiter in Sachen Migration, lebt er doch schon seit einem Jahrzehnt in: Düsseldorf. In Berlin dagegen hat Tehila Nini Goldstein ein neues Zuhause gefunden. Schon letztes Jahr sollte die israelische Sopranistin beim ID-Festival auftreten, aber dann kam die Geburt ihres ersten Kindes dazwischen. Diesmal präsentiert die junge Mutter die Formation „Sferraina“ um die beiden Östereicher David Bergmüller (Laute) und Tobias Steinberger (Perkussion). Unter dem Titel „Barock aus Jemen“ wird die Schnittmenge zwischen Alter Musik aus dem 17. Jahrhundert und jüdisch-jemenitischer Lieder eines Shalom Shabazi ausgelotet. Ein israelisch-deutsches Programm, zum Zungeschnalzen!

 

Info: www.idfestival.de

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/26763

 

 

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22Sep/16Off

Zugabe ohne Verve – Barbra Streisand bittet Hollywood-Stars zum Ständchen

barbra-3Ein neues Album von Barbra Streisand unbefangen zu hören, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Immerhin handelt es sich bei dieser Frau um die wohl größte Sängerin des Broadway, die es je gegeben hat. Spätestens seit die Streisand vor einem halben Jahrhundert die „Fanny Brice“ gegeben hat, steht sie ganz oben auf dem Broadway-Olymp. Dazu kommt noch ihre Hollywoodkarriere, die ihresgleichen sucht, gerade wegen Filmen wie „Yentl“, einem von der Streisand in allen wichtigen Belangen selbstgemachtem Film, mit dem sie sich nicht nur als Ikone der Frauenbewegung etabliert hat, sondern auch als jüdischer Superstar. Egal was diese Frau anzufassen scheint: Es verwandelt sich in Goldene Schallplatten oder Oscars, Grammys und Emmys, Golden Globes und Tony Awards. Diese Frau ist die Inkarnation eines Block Busters. Selbst wenn sie das „Avinu Malkeinu“ singt, dann tut sie das nicht introvertiert in der heimischen Synagoge, sondern vor Bill Clinton und einem sichtlich zu Tränen gerührten Shimon Peres.

barbra-1Natürlich ist es da schwierig, „Encore“ (zu Deutsch „Zugabe“), das neue Album dieser Super-Frau, mit offenen Ohren zu hören, zumal die Sängerin alles dafür tut, dass die Songs in gewohnt bombastischer Aufmachung präsentiert werden. Das geht bis hin zur Auswahl der renommiertesten Studiomusiker und einem der angesagtesten Arrangeure, Walter Afanasieff, der schon Celine Dion, Mariah Carey oder Michael Jackson auf Musik-Wolke Sieben „beamte“.

Die Idee, die hinter „Encore – Movie Partners Sing Broadway“ steht, ist brilliant: Barbra Streisand hat sich Hollywood-Schauspielerkollegen ins Studio geladen. Und wenn die Grand Dames des Broadway mit dem Finger schnippt, dann stehen selbst die attraktivsten Herren der Schöpfung Schlange auf der Fussmatte des Studios: Alec Baldwin, Antonio Banderas oder Hugh Jackman. Jamie Fox, Chris Pine und Patrick Wilson komplettieren das illustre Männerspalier. Selbst Barbra Streisands nunmehr dritter Ehemann, der Schauspieler James Brolin, darf bei einer Nummer mitmachen.

Schauspielerinnen sind hingegen nur wenige mit dabei: Anne Hathaway, die ein Duett mit der Star Wars-Novizin Daisy Ridley singt, sowie die Schauspielerin Melissa McCarthy. Mit ihr singt die Streisand den hinreißenden Song „Anything You Can Do“ aus dem Musical „Annie Get Your Gun“, mit dem Irving Berlin im Jahr 1946 zu Weltruhm kam.

barbra-4Auch die Auswahl der übrigen Songschreiber birgt keine Überraschungen. Die insgesamt 14 Good Old Songs stammen von Stephen Sondheim, Alan und Marilyn Bergman oder Marvin Hamlisch – also der Hautevolee der Broadway-Komponisten. Alles vom Feinsten, alles vom Schönsten. Nur eines fehlt, und das ist gerade bei Broadway-Songs das Salz in der Suppe: Es fehlt der Pepp!

barbra-5-dogDas fällt besonders auf, weil die Streisand bis auf die flotte Eingangsnummer „At The Ballett“ (mit Anne Hathaway und Daisy Ridley) und das schmissige Duo „Anything You Can Do“ mit Melissa McCarthy für ihre männlichen Kollegen ausschließlich langsame Balladen ausgewählt hat. Die Nummern, die auf der Broadway-Bühne noch als romantische Duette innerhalb der Dramaturgie gut funktionieren, unterliegen auf dem Tonträger nun mal anderen Gesetzen. Schuld sind also nicht müde Männer, sondern vielmehr die Streisand selbst. Besonders augenfällig ist das bei den Duetten mit ihren weiblichen Kollegen, denn dort tritt die Streisand in stimmliche Konkurrenz – und zwar zu ihren Ungunsten. Denn auch kein noch so brillianter Tontechniker könnte kaschieren, dass ihrem Vortrag die Verve fehlt. Was den Eindruck erhärtet, dass es sich bei „Encore“ um einen Strauß betagter Balladen handelt. Diese 14 Songs werden sich zwar wie immer großartig verkaufen, aber sie haben den Anschluss an diese Zeit verloren. Das schreit nicht gerade nach einer Zugabe. Das klingt wie ein Abgesang.

Barbra Streisand: Encore – Movie Partners Sing Broadway. Columbia Records 2016/Sony Music

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/26543

 

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16Aug/16Off

Aus dem Hut gezaubert – die Hypersuites von Marina Baranova

 

Die Pianistin Marina Baranova © Jonathan Scheiner

Die Pianistin Marina Baranova                                         © Jonathan Scheiner

Auf ihrem aktuellen Album spielt sie Händel und Bach, Rameau und Couperin. Aber wie sie das macht!! Ganz im Sinne der barocken Meister ist die Komposition nur die Steilvorlage für Variationen, Änderungen, Anleihen, Abschweifungen, Fortentwicklungen. Ein Meer aus großartigen Ideen. Schon damals galt: Nur nach Noten zu spielen, ist schlechter Geschmack!

http://www.deutschlandradiokultur.de/marina-baranova-hypersuites-kunstvolle-variationen-auf.2177.de.html?dram:article_id=364988

 

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14Jun/16Off

Die Schöne und das Biest – die Akkordeonspielerin Ksenija Sidorova

 

sieht toll aus, spielt großartig und ist auch noch sehr charmant: Ksenija Sidorova als "Carmen"

Sieht toll aus, spielt großartig und ist auch noch sehr charmant: Ksenija Sidorova als "Carmen"

Schifferklavier? Quetschkommode? Klavier des kleinen Mannes? Sie selbst nennt ihr Instrument "Beast". Wenn sie es auspackt, dann ist sie eine Löwenbändigerin. Großartig war schon ihre Zusammenarbeit mit dem Mandolinespieler Avi Avital und dem Percussionisten Itamar Doari. Und jetzt also ihr Debütalbum bei der Deutschen Grammophon. Es geht um Georges Bizets "Carmen", der sie neues Leben einhaucht. Ksenija Sidorova - das ist pure Frauenpower aus Lettland: Viva, Caramba und Olé!

 

 

Ksiderova 1

 

 

 

 

 

 

http://www.deutschlandradiokultur.de/ksenika-sidorova-carmen-auf-dem-akkordeon.2177.de.html?dram:article_id=359766

 

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25Mai/16Off

Hinter der schönen Fassade – Mor Karbasis >Ojos de Novia<

Karbasi 1

Mit “Ojos de Novia”, dem neuen und dritten Album von Mor Karbasi, ist der Sängerin aus Jerusalem ein Meilenstein gelungen! Das hat vor allem damit zu tun, dass sie sich von den Traditionen gelöst hat. Statt sich das musikalische Brauchtum der sefardischen Juden zu pflegen, hat sie sich nun zu neuen Ufern aufgemacht.

Der Sprung ans unbekannte Ufer hatte sich schon seit längerem abgezeichnet, spätestens seit ihrem letzten Album “La Tsadika”, das gespickt war mit Musikern, die im traditionellen Kontext sefardischer Musik nicht zu erwarten waren: Etwa der Kamanche-Spieler Mark Eliyahu, der Percussion-Spieler Itamar Doari oder der Trompeter Avishai Cohen, der sich seit seinem letzten Album in die Herzen der Jazzcommunity und an die Weltspitze der Jazzmusiker gespielt hat. Gemeinsam mit diesen Exoten, aber vor allem auch mit einer gut bestückten Band von weitgereisten Musikern hat Mor Karbasi das Erbe der Sefarden wiederbelebt, indem sie die musikalische Nähe zum Flamenco ausgelotet hat. Dennoch verharrte das Repertoire noch in den alten Mustern. Es waren jene sefardischen Lieder, die Mor Karbasi von ihrer Mutter gelernt hatte und nun einem breiten Publikum zugänglich machte.

Mit dem aktuellen Album “Ojos de Novia”, mit dem sie nun auf Tour kommt, geht Mor Karbasi einen entscheidenden Schritt weiter. Sie bereist die Welt Nordafrikas, doch nicht nur die jüdisch-sefardische Welt des Maghreb, sondern auch die der Berber. Das Album beginnt mit zwei nordafrikanischen Liedern “Bismillah” und “Hayken Juar” und geht dann weiter mit dem hebräischen Lied “Ahuvati Ester”. Überhaupt werden nur noch eine handvoll Lieder in Ladino präsentiert, doch schon die Musik sprengt die enge Welt der Sefarden: Sogar den Titelsong “Ojos de Novia” treibt ein peitschender Berberrhythmus vorwärts. Und auch hier sind es die Musiker, die für ein Augenaufschlag sorgen. Neben Mor Karbasi, die sich im Laufe der Jahre von überkandidelten Vokalisen verabschiedet hat, sind es ihr Lebenspartner Joe Taylor, die Tomatito-Family oder Kai Eckardt, die herausstechen. Der Bassist Kai Eckardt hat sich einst mit der Gitarren-Ikone John McLaughlin Duelle geliefert, bei denen beide schneller als ihre eigenen Schatten spielten. Schön, so jemand an seiner Seite zu wissen.Karbasi 3

Ganz wesentlich hat Mor Karbasi musikalische Weiterentwicklung damit zu tun, dass sie sich vom jeweiligen Kontext inspirieren ließ, in dem sie lebte. Die alten Lieder der Sefarden hatte sie zuerst über die Piyutim ihres Großvaters kennengelernt, dessen Familie einst in Marakesch lebte und dann nach Nazareth auswanderte. Die Kunst, ihren Gesang zu verzieren, hat sie dann von einem Oud-Spieler und die alten Liedtexte in Form der “Oral History” von ihrer Mutter gelernt. Entscheidend war schließlich Mor Karbasis Umzug nach London, der ihre musikalische Welt durcheinander gewirbelt hat. Zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit dem Multiinstrumentalisten Koby Israelite auf dessen Album “Blues From Elsewhere” (Asphalt Tango 2013) oder ihren Auftritt bei der Musikmesse WOMEX mit den Sängerinnen Savina Yannatou aus Griechenland und Mehtap Demir aus der Türkei.

Doch in Swinging London zu leben war nicht nur bewusstseinserweiternd, sondern hat auch Mor Karbasis Heimweh verstärkt. Das gleiche gilt nun, da sie mit Tochter und Mann in Sevilla lebt. Auch dort hat sie Heimweh – nach Israel. So ist es kein Wunder und zudem absolut nachvollziehbar, dass sie ihre Herkunft inzwischen in drei Sprachen besingt und zwar: in den höchsten Tönen.

Karbasi 2

 

 

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23Apr/16Off

Geh isch Teltow oder Rütli – der erste Tag als PKB’ler

Zehn kleine Teltileins verirrten sich im Wald - oder wie viele waren es doch gleich, vorhin?

Zehn kleine Teltileins verirrten sich im Wald - oder wie viele waren es doch gleich, vorhin?

Läßt sich gut an: Der erste Arbeitstag als Vertretungslehrer an der Teltow-Grundschule. Erstmal ein Ausflug an die Waldschule Zehlendorf. Die Sonne lacht, die Vögel zwitschern und die Wildschweine dösen im Gebüsch. Die angeblichen "Brennpunkt"-Kinder sind herzallerliebst: Der Lehrkörper zwischen Rütli-Romantik oder Didaktik-Debakel! 

 

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24Mrz/16Off

Mensch und Meisterklezmer – Giora Feidman zum 80. Geburtstag

Giora Feidmann und Jonathan Scheiner.

Zwischenstopp: Giora Feidmann auf dem Weg nach "Lucken...was"? Luckenwalde!                        ©Rolf Walter/X-Press

Ob es auch beim Papst gezwickt hat, ist nicht überliefert. Doch den meisten der 800.000 Besucher beim Weltjugendtag 2005 in Köln ging es vermutlich so, wie es vielen Menschen geht, wenn sie Klezmer hören: Sie verspüren dieses berühmte Zwicken in der Gegend des Herzens, das die traurig-schönen Klänge der Klezmermusik auslösen – eine ominöse Gleichzeitigkeit von Weinen und Lachen. Das gilt vor allem, wenn Giora Feidman spielt. Der Klarinettist ist der berühmteste Klezmermusiker unseres Planeten. Und beim Weltjugendtag war er sicherlich der berühmteste lebende Jude (Jesus von Nazareth ist bekanntlich schon eine Weile tot). Das Motto der Veranstaltung “Wir sind gekommen, um IHN anzubeten” hatte vor diesem Hintergrund einen seltsamen Beigeschmack.

Giora Feidmans Einfluss auf die Klezmermusik kann gar nicht überschätzt werden. Großartige Musiker wie Avi Avital, David Orlowski oder Marina Baranowa nennen den Klarinettenmeister explizit als Vorbild. Nirgendwo sonst gibt es ein Phänomen wie jenes, das sich bei jedem von Giora Feidmans Konzerten einstellt, selbst in altehrwürdigen Musikweihetempeln wie der Berliner Philharmonie: Ein Musiker betritt unter Applaus die Bühne, spielt ein paar Takte auf seinem Instrument und hebt dann aufmunternd die Hand als Startsignal: Jetzt mitsingen! Und der Saal singt mit – erst leise, dann hemmungslos. So viel Verzückung schaffen nicht einmal Barenboim oder die Bartoli.

Das ist keine Clownerie, sondern große Kunst, die auf jahrzehntelanger harter Arbeit und Fleiß fusst. Überblickt man seinen proppevollen Tourneekalender, dann fragt man sich, ob er überhaupt noch ein Zuhause braucht. Er spielt quasi täglich, tingelt von einer, zumeist evangelischen Kirche zur nächsten, findet noch Zeit, um jährlich mindestens eine Schallplatte aufzunehmen, seine Autobiografie zu schreiben oder bei Festveranstaltungen zu seinen Ehren aufzutreten, wie etwa bei der “Verleihung des Großen Verdienstkreuzes” im Deutschen Bundestag 2001. Ein mörderisches Programm, erst recht mit 80!

Der Jubilar sieht’s gelassen: „Ich fühle die Verantwortung, meine Erfahrung weiterzugeben. Ich kann den jungen Musikern helfen, sie mit der Energie ihrer Seele zu verbinden“ sagt der Klarinettist. Doch Feidman kennt auch die Kehrseite seines Erfolgs: „Ich habe zehn Enkelkinder, die ich nur selten zu Gesicht bekomme. Das tut weh, weil die Zeit verstreicht und ich ihr Heranwachsen verpasse. In meinem Alter sind Großeltern eine Institution, vor allem, wenn sie noch „loifn“ können“, scherzt Feidman in einem Mix aus Englisch, Jiddisch und Deutsch“.

Vermutlich hängt Feidmans sensationeller Erfolg in Deutschland auch mit seiner versöhnlichen Grundhaltung zusammen. Der Musiker verschweigt zwar nicht, dass er den Umgang der Deutschen mit den Juden in der Shoah als „suboptimal“ empfindet, aber er glaubt auch, dass die Zeit alle Wunden heilt. „Die heutige Beziehung zwischen den Juden und den Deutschen ist ohne Übertreibung der höchste Ausdruck an Humanität auf diesem Planeten“. Für Feidman gibt es sie, die „guten Deutschen“, Gerechte unter den Völkern, Menschen wie Oskar Schindler, dem der Regisseur Steven Spielberg mit „Schindlers Liste“ im Jahr 1993 ein Denkmal gesetzt hat – mit Musik von Giora Feidman.

Das war 1967, als Feidman das erste Mal als Teil des Israel Philharmonic Orchestra nach Deutschland gekommen war, noch anders. Da hatte Feidman noch deutsche Dämonen im Kopf. Kein Wunder. Noch sein Vater war vor den Pogromen aus dem damals bessarabischen Kischinew, heute in Moldawien, nach Buenos Aires geflohen, wo Giora Feidman am 25.3.1936 zur Welt kam. Noch schlechter ging es Feidman, als ihn der Regisseur Peter Zadek 1984 nach Berlin einlud. Der Musiker sollte in Jehoschua Sobols Stück „Ghetto“ in der Berliner Volksbühne auftreten. Er musste den gelben Stern tragen und einige der Schauspieler waren in SS-Uniform. Feidman konnte nachts nicht schlafen. Seine Frau versuchte ihn zu Heimkehr nach Israel zu überreden, doch Feidman blieb standhaft.

Sonst hört Feidman gerne auf seine Frau. Sie heißt Ora Bat Chaim und zählt zu Israels renommiertesten Komponistinnen. Viele von Feidmans Liedern stammen aus ihrer Hand, auch auf dem neuesten Album “Klezmer Bridges”, das der Klarinettist mit den vier Cellisten des Rastrelli-Quartetts aufgenommen hat. Bei einem der Songs spielt auch Feidmans Nichte Hila Ofek mit. Fragt man die in Frankfurt lebende Harfe-Spielerin nach ihrer Meinung zu ihrem Opa, spürt man eine an Ehrfurcht grenzende Wertschätzung, die viele Kollegen teilen: „Früher, als ich klein war und gerade angefangen hatte zu spielen, hat er oft gesagt, wie schön ich spiele. Doch als ich erwachsen wurde, hat er mir tatsächlich verraten, was er von meinem Spiel hält und so wurden daraus eher kurze Lektionen. Ich weiß zwar, wie sehr er von anderen Musikern bewundert wird, aber ich sehe ihn zuallererst als Großvater“.

Als Klezmermusiker in dritter Generation hat Feidman sein Handwerk von seinem Vater geerbt. Schon mit neun spielte er auf Hochzeiten. Doch statt Student am Konservatorium in Bukarest wurde er als 18-jähriger Ensemble-Mitglied am Teatro Colón in Buenos Aires, um dann zwei Jahre später für 20 Jahre als Bassklarinettist des Israel Philharmonic Orchestras anzuheuern. In den Siebzigern wurde aus dem klassischen Musiker ein Klezmermusiker, den es nach New York zog. Von dort hat das Klezmer-Revival die Welt erobert. Feidman zählt zu den Urvätern. Heute ist die ostjüdische Volksmusik die zweitbeliebteste hierzulande – nach der bayerischen. 

Selbst hartgesottene Musikredakteure geben sich angesichts von Feidmans Musik entrückt, manche auch grenzdebil: „Wie ein magischer Hauch wehte der Klang der Klarinette durch die winterlich kühle Salvatorkirche”. Dabei geht es gar nicht um Magie. Und es geht erst recht nicht um Virtuosität. Feidman trifft vielmehr den richtigen Ton. Er selbst sagt, das sei der “Ton des Herzens”. Das ist dort, wo es zwickt. Bei fast allen.

 

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/25002

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